(Hamburg, 15. März 2012) Was ist Glück? Die Antwort kann ich mir ganz einfach beantworten. Ich strebe momentan nach einem neuen Paar Louboutin-Stilettos  – die mit der knallroter Sohle für jeden deutlich gebrandet sind.Wie wird so ein Schuh zum Objekt völliger Begierde? Wieso schwebe ich nach dem Kauf viele Tage auf der Design-Wolke sieben und bilde mir sogar ein, dass ich nur mit einer bestimmten Marke die Welt erobern könnte?

Ich habe noch weitere Beispiele, die mich an meinem Verstand, sowie meinem Kaufverhalten stutzen lassen.

Immer wenn ich mir eine Cola bestellen will, man mir aber Pepsi anbietet, verzichte ich komplett und wähle als Alternative lieber ein Wasser. Mein Kopf schreit empört: “ Bloß keine Pepsi!“ Auch meiner Freundin war diese Markenabneigung mittlerweile deutlich aufgefallen. Sie testete mich mit einer sogenannten Blindverkostung.

Der sensorische Marken-Test beinhaltete, dass ich Cola, als auch Pepsi mit verbundenen Augen herausschmecken musste. Selbstbewusst und siegessicher fiel mir der Geschmackstest äußerst leicht, ich hatte ja bisher immer wegen des unverkennbaren Geschmacks Coca-Cola getrunken und Pepsi verschmäht . Die Lösung schockierte mich, ich hatte am Ende die beiden Koffein-Marktführer vertauscht. Doch Pepsi schmeckte mir blind wirklich besser. Wieso bin ich bei meiner Kaufentscheidung Sklave meines Gehirns und vor allem, wie schafft es die Marke Coca-Cola mich als Konsumenten derart stark an sich zu binden, dass ich unbegründet Pepsi als keine Alternative sehen?

Coca-Cola ist die stärkere Marke. Dies belegt auch eine aktuelle Image-Analyse auf Grundlage des Markenmonitors YouGov Brand-Index: So erhält Coca-Cola in Deutschland momentan einen Imagewert von rund 56 Brandindex-Punkten, PepsiCo, wie der Konzern vollständig heißt, hingegen nur 14 Punkte. Die Brand-Index-Skala umfasst übrigens eine Skala von -100 bis +100.

Sind es wirklich nur die aufwändig produzierten TV-Spots, die zigtausende Plakat- und Anzeigenflächen oder die flächendeckende Gastro-Promotion am POS, die mit einem enormen Werbedruck eine allgegenwärtige Präsenz haben? Oder steckt doch mehr dahinter als nur das riesiges Werbe-Budget?

Mein Selbsttest ist nur ein Beispiel dafür, was Neuroforscher seit einiger Zeit im Marketing über den Konsumenten erfahren haben.

Auch meine Freundin hat mit dem Problem Gehirn und Werbewirkung zu kämpfen. Sie erzählt mir jedes Mal, dass sie seit der Drohungen auf Zigarettenschachteln aus Angst weniger raucht. Dabei fanden Forscher heraus, dass das Suchtzentrum in unserem Gehirn gerade auf diese Warnungen anschlägt und uns verleitet eine Zigarette anzustecken.

Versteht die Werbung uns durch das Neuromarketing bereits besser als wir selbst? Können wir nicht mit der Aufklärung der Tricks, mit denen die Strategen in den Werbeagenturen arbeiten, erreichen, dass wir uns gegen die totale Manipulation wehren?

Viele globale Konzerne konzentrieren sich mit Psychologen, Neurologen, Werbern und Marketingprofis darauf, unsere Emotionen und Sehnsüchte zu ergründen. Sie versuchen eines unserer letzten Konsumenten-Geheimnisse zu verstehen und Sie für eine optimierte Markenkommunikation zu nutzen: Wo im Gerinn sitzt der „Das-will-ich-Knopf“ und wie kann man ihn mit visuellen Reizen effektiv bedienen?

Kann man nun also noch unvoreingenommen einkaufen und die rund 5.000 Werbebotschaften ohne Misstrauen betrachten, die wir täglich bewusst und unbewusst in einer Großstadt wie z.B. Hamburg wahrnehmen?

Das Neuromarketing befasst sich damit, wie Kaufentscheidungen entstehen und wie man sie beeinflusst. Experten sind sich sicher, dass diese Methodik keine Modeerscheinung ist und man noch Jahrzehnte benötigt, bevor man eine genaue Anleitung über das Kaufverhalten der Konsumenten erhalten wird.

Halten wir es also bis dahin frei nach Oscar Wilde: “ Widerstehe keiner Versuchung- sie könnte nie wieder kommen.“